Niedriger Wasserstand gibt Anlass zu Diskussionen
Die tägliche Verdunstung beträgt im Sommer am Balaton 5-10 mm, das entspricht 6 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag, 70 Kubikmeter Wasser in der Sekunde. Die Hälfte davon müßte unter den Flüssen von der Zala in den See gebracht werden, also 35 Kubikmeter in der Sekunde. Stattdessen betrug die erst kürzlich gemessene Menge 1 Kubikmeter pro Sekunde! So ist es kein Wunder, daß immer wieder Theorien zur künstlichen Auffüllung des Sees diskutiert werden. Schon in den sechziger Jahren befaßte man sich theoretisch mit dieser Frage und technisch wäre es durchaus lösbar, einen Fluß wie die Raab oder die Drau mit dem Balaton zu verbinden. Doch auch die Raab führt zu wenig Wasser und bei der Drau kämen internationale Interessen ins Spiel, denn die Ableitung des Flusses würde andere Länder berühren. Selbst wenn man diese Fragen außer Acht ließe und das Geld von rund 15 Milliarden Forint für den Bau eines Kanales auftreiben könnte, stünde immer noch die Frage, wie Fauna und Flora des Balaton auf fremdes Wasser reagieren würden. Letztendlich bleiben wohl nur das Vertrauen auf die Natur und das Akzeptieren der Tatsache, daß der See Teil der Natur ist und das Wasserniveau einmal steigt, einmal sinkt. Dem Schilf wird der niedrige Wasserstand guttun, der Mensch gewöhnt sich daran, daß er etwas weiter in den See hineinlaufen, an der Rutsche besser aufpassen muß, daß die Schiffsschrauben den Schlamm aufwühlen und aus manchen Häfen die Schiffe nicht auslaufen können. Auf die Wasserqualität muß in solchen Zeiten besonders geachtet werden, denn es besteht eine erhöhte Gefahr der Veralgung. Bisher gibt es keinen Grund zur Beunruhigung. Die Experten warnen davor, den niedrigen Wasserstand auszunutzen, um das eigene Wassergrundstück durch Auffüllung des alten Seebettes zu vergrößern. Das ist illegal und zieht harte Konsequenzen nach sich, wie wir in unserer vorherigen Ausgabe bereits berichteten. Die Festlegung der endgültigen Uferlinie des Sees wird nicht vom jetzigen Wasserstand beeinflußt, sondern beruht auf geodäsischen Daten bei normalem Niveau.
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