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Im Binnenland in Ungarn

Das Binnenland / Ort Ganna



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[Foto: eigen - ungarische Langhornrinder]

Ganna - Auszug aus der Geschichte
nach Josef Koller

1548 Etwa um diese Zeit, bei einem Türkenansturm, wurde der Ort zerstört. Die Bewohner flüchteten, wurden getötet oder verjagt. Danach zerfiel der Ort und blieb dann verlassen und unbewohnt.

1740 In den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts begann die Neubesiedlung des Fleckens um Ganna. Etwa 65 Jahre nach dem Sieg über die Türken bei Wien, vor allem in den Jahren 1748 - 1756, erfolgte die Besiedlung des Gannaer Gebietes durch die Grafen Esterházy, welche die Grundherren dieser Ländereien waren. Die Ansiedler kamen vorwiegend aus Südbayern, der Steiermark und aus der Markgrafschaft Baden. Um diese Zeit ließen sich auch vereinzelte kroatische Familien im Ort nieder. Sie wurden aber von der deutschsprachigen Bevölkerung bald assimiliert, so dass nur noch einige Gannaer Familiennamen von jenen Vorgängen zeugen. Durch die angesiedelten Kolonisten wurden dann die sehr nahe beieinander liegenden Orte Großganna und Kleinganna erbaut.

1766 In diesem Jahr haben die Gannaer vom Grafen Esterházy die Genehmigung erhalten, eine Kirche zu bauen. In Großganna sollte dies laut einer bischöflichen Verfügung wegen der Mittelknappheit der Bewohner nur eine Holzkirche sein. Die Kleingannaer bauten sich eine kleine, aber bereits aus Stein gemauerte Kirche, zunächst aber noch ohne Turm.

1773 Etwa 25 Jahre nach der Neubesiedlung erbauten sich die Ansiedler eine neue Schule in Großganna, welche für die Kinder beider Orte zuständig war. Der Schulunterricht wurde damals vollständig in deutscher Sprache erteilt.

1776 Auch für Groß- und Kleinganna wurden gemäß der kaiserlichen Urbarialverordnung im Jahre 1776 die Urbariallisten erstellt, die für Großganna 77 Ansiedlerfamilien (61 Bauern, 3 Häusler sowie 13 Unbehauste) namentlich ausweisen. Für Kleinganna waren dies 26 Ansiedlerfamilien (20 Bauern und 6 Häusler). Die namentlichen Niederschriften der Urbarien sind im großen Gannaer Heimatbuch (Josef Koller, 1999) als Originalkopien erfasst und somit für alle jederzeit gut nachvollziehbar.

1808 bis 1818 betrug die Bauzeit für den Neubau der Esterházykirche in Ganna, einer sehr schönen und beachtenswerten Rundkirche im klassizistischen Baustil. In gräflichem Auftrag erbauten der französische Architekt Charles de Moreau, der Wiener Baumeister Franz Josef Engel und der Direktor der Wiener Kunstschule, Professor Josef Klieber diese Kirche mit einem darunter liegenden Mausoleum für die Familien der Grafen Esterhäzy. Bis zur Vertreibung waren 47 Familienmitglieder der Esterházys darin bestattet. Die letzte Grablegung vor der Vertreibung erfolgte im Jahre 1942.

1900 Mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der deutsche Unterricht in der Schule von Ganna durch die Behörden bereits erheblich zurückgedrängt. Schon lange vor der Vertreibung wurde nur noch ungarisch unterrichtet. Die rein deutschsprachige Bevölkerung Gannas hatte somit schon längst keinen schulischen Zugang mehr zu ihrer Muttersprache. Davon unberührt, hat sich der in Ganna gesprochene bayerisch-österreichische Dialekt bis zur Vertreibung voll erhalten. Ein Bezug zur deutschen Hochsprache und zur deutschen Orthographie bestand jedoch nicht mehr, 1940 In diesem Jahr erfolgte die behördlich verfügte Zusammenlegung der beiden eng miteinander verbundenen Nachbarorte Großganna (Nagyganna) und Kleinganna (Kisganna) zu dem einem Ort Ganna. 

1941 Zu dieser Zeit besaß der Ort 876 Einwohner und 150 Häuser. Die Bevölkerung lebte ausschließlich von landwirtschaftlicher Arbeit. Auch die wenigen ortsansässigen Handwerker wie Wagner, Tischler, Schuster, Schneider - außer dem Schmied - betrieben nebenher noch eine eigene Landwirtschaft.

1945 am 25. März erfolgte der Einmarsch der russischen Truppen in Ganna, ohne dass bei der Bevölkerung Misshandlungen oder Tote zu beklagen waren. Die russischen Besatzungskräfte wurden in Ganna nach den ersten heftigen Plünderungstagen als relativ geordnete Militäreinheiten, ohne gefährliche Übergriffe auf die Zivilbevölkerung erlebt. In der zweiten Jahreshälfte 1945 begannen dann aber die willkürlichen Bedrohungen und Verfolgungen der Bewohner durch die so genannten ungarischen Sicherheitskräfte und ihre örtlichen Helfer, die bis zur Vertreibung im Juni 1946 andauerten. Viele Familien wurden dabei rücksichtslos enteignet, indem sie alles, Haus und Hof, Hab und Gut verlassen mussten, um ortsfremden ungarischen Familien Platz zu machen, Sie hatten dabei noch Glück, wenn sie irgendwie bei Verwandten Unterschlupf finden und dadurch Schlimmerem entgehen konnten. Viele Männer und Frauen wurden aber auch durch die ungarischen Sicherheitskräfte und ihre Helfer grundlos verhaftet, tagelang verhört und dann oft sogar mit ihren Kindern in Internierungs- oder Arbeitslager gesperrt. Als Höhepunkt dieser Willkürakte erfolgte dann in den Jahren 1946 und 1948 durch Ungarn die totale Enteignung und das Unrecht der gewaltsamen und rücksichtslosen Vertreibung der Gannaer Bevölkerung aus ihrer Heimat, in der die Menschen seit 200 Jahren friedlich als ungarische Staatsbürger lebten. 

1946 am 5. Juni war für die meisten Gannaer (63%) dieser Tag ihrer größten Entrechtung und Entwürdigung, der Tag ihrer totalen Vertreibung. Wie Verbrecher wurden die Menschen, von Sicherheitspersonal bewacht, durch ihr Dorf in die 13 km entfernte Stadt zum Bahnhof getrieben und dort zusammengepfercht in Viehwaggons verladen und mit einem ihnen unbekannten Ziel abtransportiert. Über eine Woche war der Transport, ohne eine Versorgung, mit vielen Stillständen unterwegs, das Ziel war noch unbekannt. Erst in Linz, als amerikanisches Militär den Transport übernahm und die erste Notverpflegung ausgab, erfuhren die Vertriebenen, dass es weiter nach Westen gehen sollte. Nach insgesamt fast zwei Wochen erreichte der Transport seine Endstation, den Westbahnhof in Karlsruhe. Danach kamen die Vertriebenen in das Karlsruher Flüchtlingslager, in der ehemaligen Artilleriekaserne, in der Moltkestraße. Von hier aus wurden die einzelnen Familien nach fast vier Wochen Lageraufenthalt mit Lastkraftwagen auf die verschiedenen Gemeinden des Landkreises Karlsruhe verteilt.

1948 am 28. Januar erfolgte die zweite Vertreibungswelle in Ganna, die etwa 13% der ursprünglichen Gannaer Bevölkerung erfasste. Auch diese Menschen wurden von Ungarn gewaltsam vertrieben, obwohl die meisten inzwischen ihren Namen magyarisiert und eine totale ungarische Sprachanpassung vollzogen hatten. Diese zweiten Gannaer Vertriebenen kamen dann aber nicht mehr in die US-Zone nach Westdeutschland, sondern wurden in die sowjetische Besatzungszone nach Ostdeutschland deportiert. Ein Lager in Pirna, in Sachsen, war ihre erste Station in Deutschland. Insgesamt sind damit in den Jahren 1946 und 1948 über 600 Gannaer Bürger, nahezu 80% der damaligen Gannaer Bevölkerung, durch ihr ehemaliges Heimatland Ungarn total enteignet und gewaltsam von Haus, Hof und Heimat vertrieben worden.

Aus Josef Koller: Vertreibung und Neubeginn, S. 64-65


 

 

 

 

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